Wie lange hält das Dieselaggregat das AKW (Atomkraftwerk) in takt? Was passiert danach?

Hm, zunächst würde ich mal anmerken, dass es sich bei beiden Aufzählungen nicht um Theorien handelt, sondern Abläufe, die de facto so stattfinden können.

Zum Thema Dieselgeneratoren erst ein paar Vorbemerkung: In der Regel sind Dieselgeneratoren auf einzelne Sicherheitsstränge bezüglich ihres Betriebsnetzes aufgeteilt, bedeutet das ein Strang mit einem Dieselgenerator im Notstromfall versorgt wird. In der Regel sind die Systemredundanzen 4×100% oder 4×50%, womit entweder einer dieser Systeme oder zwei Systeme für die volle Wirkung benötigt werden. Dieselgeneratoren gewährleisten im Regelfall eine Redundanz von (bspl. eine deutsche Konvoi-Anlage) 4×100% was in diesem Fall bedeutet, dass ein Dieselgenerator einen Sicherheitsstrang mit Elektrizität versorgen kann.

Zur Versorgung: Die Dieselgeneratoren versorgen nur die notwendigsten Anwendungen am Reaktor, die für ein sicheres Abschalten nötig sind. Da die Abschaltsysteme ohne Elektrizität ausgelöst werden, das heißt bei Druckwasserreaktoren schalten die Magnetschalter aus und die Stäbe fallen in den Kern, bei Siedewasserreaktoren wird der Schließer automatisch geöffnet und das Stickstoff aus den Stickstofftanks schießt die Steuerstäbe in den Kern. Zusatzlasten in den Sicherheitssträngen sind vorgesehen, so wie die Versorgung der wichtigsten Anzeigen und der Beleuchtung mit Elektrizität, dass man auch sehen kann, in welchem Zustand sich die Anlage befindet. Bei Anlagen in Osteuropa ist es die Regel, dass diese Stromversorgung durch die Diesel dann geregelt werden muss, in einigen deutschen Anlagen gibt es eine alternative Zuleitung über die der Eigenbedarf gespeist wird.

Zur Standzeit: In der Regel halten bei heutigen Kernkraftwerken die Dieselgeneratoren auf Basis der vorhandenen Dieseltanks rund 24 bis 48 Stunden bei einem Blackout die Stromversorgung ununterbrochen aufrecht, bis entweder Diesel nachgefüllt wird oder die externe Eigenbedarfsversorgung wieder hergestellt wurde. 72 Stunden ist nicht falsch, das schaffen aber beim heutigen Stand nur nachgerüstete Anlagen (in Europa wenige) oder neue Kernkraftwerke der Generation III. Meistens gibt es aber preisgünstigere Alternativen wie der Einsatz von Luftwärmetauschern (russisches Projekt) oder die Kühlung über das Containment (amerikanisch-japanisches Projekt).

Zur Regelung: Normalerweise laufen Dieselgeneratoren generell bei Störungen an, die mit der Spannungsversorgung zu tun haben. Normalerweise ist der Notstromfall schnell behoben, sodass diese wieder abgeschaltet werden, durch sinnvolles Einsetzen der Diesel kann deren Verfügbarkeit und die Anlagensicherheit stark gesteigert werden. Beispielhaft hierfür ist das Kernkraftwerk Temelín, dass drei Dieselgeneratoren mit je 100% Redundanz haben, sowie zwei zusätzliche Dieselgeneratoren, die eine Redundanz von je 150% haben. Laufen alle Sicherheitsstränge mit einem System, dass 100% Redundanz hat, dann brauchen alle Dieselaggregate Diesel, während der Block aber mit nur einem auskäme. Schaltet man also von den drei zwei ab, so kann man 12 Stunden den ersten Diesel leer fahren, danach den zweiten, danach den dritte, womit man ebenfalls 72 Stunden überbrückt hätte. Die anderen Diesel sind Anlagenbedingt größer dimensioniert, halten aber jeweils 48 Stunden, womit man bei Betrieb nacheinander insgesamt 168 Stunden überbrücken könnte – das sind sieben Tage. Innerhalb dieser zeit muss entweder Diesel nachgefüllt werden oder die Stromversorgung wiederhergestellt werden.

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guter Kommentar :-). Wie sieht es eigentlich mit rein passiven Systemen, wie z.B. der Schwerkraftheizung, aus? Habe gelesen, dass die russischen WWER1200 hierzu eine eigne Installation haben. Grundlegend sollte es doch kein Problem bei Kernkraftwerken geben, wenn man schon ende des 19’ten Jahrhunderts ganze Strassenblöcke mit passiven Schwerkraft- oder Heißdampf-Heizungsanlagen beheizt hat? Weiter habe ich gerade im Zuge von Fukushima Daiichi gehört, dass Block 1, welcher der leistungs-kleinste ist, kurzzeitig über ein rein passives System, einem Leerlauf-Kondensator, gekühlt wurde. Was kannst Du hierzu sagen?

Schöne Grüße, Ocin1

Die 2 ist richtig, zumindest in Europäischen AKWs.